Seminarschule Ev. Religionslehre - Infos

Die Ausbildung im Seminar für Evangelische Religionslehre für das Lehramt an Beruflichen Schulen (Südbayern)

FACHPROFIL

Der Evangelische Religionsunterricht bietet ein Forum für die Fragen, Probleme und Überzeugungen der Schülerinnen und Schüler. Die Loslösung vom Elternhaus, das Zurechtfinden im gewählten Beruf und in der Gesellschaft, die Suche nach Identität und Lebenszielen kennzeichnen die Situation der jungen Menschen während der Berufsausbildung. Sie formulieren religiöse Fragen, die sich aus ihrem Lebensalltag ergeben. Im Religionsunterricht suchen sie nach Antworten und verlässlicher Orientierung.

Berufliche Schulen werden von Jugendlichen mit verschiedensten Bildungsvoraussetzungen und in höchst unterschiedlichen intellektuellen und psychosozialen Reifungsstufen besucht. Auf diese Voraussetzungen reagieren die Religionslehrerinnen und -lehrer inhaltlich, didaktisch und methodisch: Sie greifen persönlich bedeutsame Anliegen von Schülerinnen und Schülern auf und setzen im Unterricht in pädagogischer Verantwortung entsprechende lerngruppenspezifische Schwerpunkte.

Den Mittelpunkt des Unterrichts bilden elementare Lebensfragen der Schülerinnen und Schüler in ihrem wechselseitigen Bezug zu zentralen christlichen Glaubensinhalten. Die Lernenden entwickeln – auch in der persönlichen Auseinandersetzung mit ihrer Lehrkraft – individuelle, reflektierte Standpunkte und Werthaltungen. Ihre sozialen Kompetenzen festigen sich im Zusammentreffen mit anderen Erfahrungen und Positionen innerhalb der Unterrichtsgruppe. Dabei wird ihnen deutlich, wie wichtig es ist, eigene Positionen zu finden, zu überdenken und gegebenenfalls zu revidieren. Sie schulen ihre religiöse Sprach- und Ausdrucksfähigkeit und üben sich im respektvollen Umgang mit anderen Meinungen.

Der Evangelische Religionsunterricht ist von einer Atmosphäre der Offenheit, des gemeinsamen Suchens und des lebendigen Gesprächs miteinander geprägt. Sein ganzheitlicher Ansatz bezieht Phasen der Stille, der Kontemplation und der Kreativität mit ein.

(Nach dem Lehrplan für BS und BFS, 2013)

ANFORDERUNGEN

Für die Religionslehrkräfte ist die im Studium erworbene theologische und religionspädagogische Qualifikation grundlegend. Der ganzheitliche Ansatz des Religionsunterrichts, in dem die Schülerinnen und Schüler sowie die Religionslehrerin / der Religionslehrer als Personen im Mittelpunkt stehen, stellt darüber hinaus hohe Ansprüche an die Persönlichkeitsbildung der Lehrkräfte.

Religionslehrerinnen und –lehrer müssen die Anforderungen der verschiedenen Schularten im Bereich des beruflichen Schulwesens gemäß der Lehrpläne und Abschlussprüfungen kennen. Im Schulalltag müssen sie sich mit den jeweils aktuellen didaktischen Konzeptionen im religions- und berufspädagogischen Bereich auseinander setzen und sich für eine pädagogisch und organisatorisch sinnvolle Organisation des Religionsunterrichts engagieren. Immer wieder werden sie auch die Legitimation ihres Faches an der Schule begründen müssen. 

SEMINARKONZEPTION

Das Seminar für evangelische Religionslehre findet 14-täglich über fünf Zeitstunden statt. Die Referendarinnen und Referendare hospitieren am Seminartag auch im Religionsunterricht an der Berufsschule bzw. machen dort eigene Unterrichtsversuche. Eigenen, zusammenhängenden Unterricht übernehmen sie ca. ab den Weihnachtsferien an einer weiterführenden beruflichen Schule, an der sie in der Regel dann auch ihre Lehrprobe im Zweitfach ablegen.

Ziel des Seminars ist es, die Referendarinnen und Referendare in ihr zukünftiges Tätigkeitsfeld einzuführen, sie persönliche Zugänge zu einem kreativen, angstfreien und selbstkritischen eigenverantwortlichen Unterrichten finden zu lassen und ihnen so den Weg zu ihrem eigenen, selbstbestimmten Unterrichtsstil zu ebnen. Dieser persönliche Unterrichtsstil soll authentisch sein, das heißt, dass er zu der betreffenden Lehrkraft passt und sie sich damit wohl fühlt. Dieser Unterrichtsstil muss gleichzeitig die Schülerinnen und Schüler als junge Erwachsene ernstnehmen und ihnen als selbstbestimmten Personen gerecht werden.

Die Ausbildung im Seminar für Evangelische Religionslehre ist sehr stark prozessorientiert: die Inhalte ergeben sich praktisch ausschließlich aus der Reflexion der gehaltenen Unterrichtsstunden. Die folgende Übersicht kann daher nicht vollständig sein; sie enthält aber auch Inhalte, die nicht in jedem Prüfungsjahrgang explizit eine Rolle spielen müssen.

  Einführung in die Seminarschule(n)

-       Vorstellung der Referendarinnen und Referendare bei der Schulleitung

-       Ausbildungsberufe an den Schulen

-       Unterrichtszeiten, Blockpläne, RU-Stundenplan

-       wichtige Räume für Unterricht und Verwaltung

-       Rolle des Seminarlehrers und der betreuenden Lehrkräfte

 Persönlichkeit der Lehrkraft

-       Erwartungen und Befürchtungen

-       Selbst- und Fremdwahrnehmung

-       Ich-Identität und Lehrerrolle, auch im Vergleich zum Erstfach

-       eigene Befindlichkeit und deren Auswirkung auf den Unterricht

-       eigene Einstellung zu Lerninhalten und deren Folgen für den Unterricht

-       Sprache und nonverbale Kommunikation

-       Lehrer/in als Vertreter/in der Kirche, als Glaubende/r, als Seelsorger/in, als Erzieher/in

-       aktive und passive Kritikfähigkeit

-       Teamfähigkeit

-       Zeitmanagement

-       Arbeitszufriedenheit/Berufszufriedenheit und Erhalt der physischen wie psychischen   Gesundheit

 Unterrichtsgestaltung

-       Einführung in die Lehrpläne für BS, BOS, FOS, BFS, FAK (je nach Bedarf)

-       Kriterien zur Unterrichtsbeobachtung

-       Klärung von Vorurteilen und Klischees über die von Referendar/innen angeblich erwarteten Haltungen und Unterrichtsstile

-       Bewusste Wahrnehmung des Unterrichtsumfelds  (Raum, Kollegium, Schulleitung, Stundenplan, Stellung des RU an der Schule ...)

-       Unterricht an BS / BOS / FOS / BFS / FAK): Unterschiede

-       „Leitlinien für den evang. RU“ / Fachprofil / Themenfindung

-       Kompetenzorientierung

-       Spezifika der Religionspädagogik/Fachdidaktik

-       Grundsätze der Unterrichtsplanung und –vorbereitung

-       Didaktische Jahresplanung im RU

-       Didaktische Reduktion

-       Sequenzierung

-       Lehrer-Schüler-Interaktion und -Kommunikation

-       Medieneinsatz

-       Methodik in der Kleingruppe

-       Sozialformen

-       Unterrichtsgespräch, Moderation

-       Leistungserhebung und Leistungsbewertung

-       Umgang mit besonderen Ereignissen (Zuspätkommen, Disziplin, ...)

-       „Klassische“ Themen im RU (Bibel, Katechismus ...)

-       Unterrichtsreflektion, Feedback, Evaluation

 Rechtliche Gesichtspunkte des RU

-       GG, BayVerf, BayEUG, BSO, diverse KMS

-       Einsatz von Medien

-       Teilnahme am Unterricht der anderen Konfession

-       Teilnahme von Schülern / Schülerinnen o. B. 


Helmut Böhm / Stand: Okt. 2013


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